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NABU-Studie zur konservierenden Landwirtschaft

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V. hat vor Kurzem gemeinsam mit der Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung (GKB) e.V. und der Hochschule Weihenstephan/Triesdorf (HSTW) eine Studie zu den ökologischen und wirtschaftlichen Effekten der konservierenden Landwirtschaft im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft (Mulchsaat/Pflug) veröffentlicht. Die konservierende Landwirtschaft, international bekannt als conservation agriculture (CA), beinhaltet in einem Gesamtsystem die folgenden drei Kernpunkte:

  • ein minimaler Bodeneingriff mit minimal-invasiver Aussaat (Direktsaat)
  • eine dauerhafte und artenreiche Bodenbedeckung
  • eine hohe Pflanzenvielfalt in der Fruchtfolge

In der Erhebung wurden 17 Beispielbetriebe, die das System der CA seit mindestens 2019 vollständig anwenden, über drei Erntejahre (2020 – 2022) untersucht. Dazu wurden die Betriebe in vier bodenklimatische Regionen eingeteilt. Die Untersuchungen umfassten den Betriebsmittelverbrauch, die Bodengesundheit und den Ertrag. Die Studie bezog sich dabei auf die vier Hauptkulturen Winterweizen, Winterraps, Mais und Wintergerste.

Das kam dabei raus:

  • Der Pflanzenschutzmitteleinsatz wurde anhand des Pesticide Load Indicator (PLI) bewertet. Der PLI setzt sich aus drei gleich gewichteten Teilindikatoren zusammen: Umweltverhalten, Ökotoxizität und Risiko für die menschliche Gesundheit. Im Durchschnitt aller Kulturen konnte das ökologische Risiko um ca. 50% gesenkt werden, wobei Mais schon typischerweise einen geringeren Einsatz aufweist.
  • Die Stickstoffdüngung reduzierte sich um durchschnittlich 15%.
  • Der Treibstoffverbrauch fiel um fast 75% (Vergleich Pflug)
    und 72% (Vergleich Mulchsaat) geringer aus.
  • Die mikrobielle Aktivität und funktionale Biodiversität in den CA-Böden waren höher.
  • Im Durchschnitt zeigten sich rund 5% höhere Erträge, wobei Winterraps aufgrund von Schädlingsdruck eine durchschnittliche Ertragsreduktion von 8% aufwies.
  • Ein bis zu 16% höherer Deckungsbeitrag pro Hektar und Jahr am Beispiel von Winterweizen.

 

Die Verfasser empfehlen die konservierende Landwirtschaft gezielt zu fördern, indem

  • der Zwischenfruchtanbau und Spezialgeräte, wie minimal-invasive Saattechniken, finanziell unterstützt werden.
  • Förderprogramme aufgelegt werden, die die Bodenbedeckung und damit verbundene ökologische Leistungen honorieren, wie z.B. durch Ökoregelungen.
  • die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU auf ergebnisorientierte Zahlungen ausgerichtet wird, z.B. Nettoprimärproduktion (die durch Photosynthese gebildete Biomasse) oder der Grad der Bodenbedeckung.

Mit ihrer Studie unterstreichen die drei Organisationen die Bedeutung von bodenschonenden Bewirtschaftungsformen im Ackerbau. Politisch ist es ein positives Zeichen, dass auch eine bedeutende Naturschutzorganisation wie der NABU nicht alleine im ökologischen Landbau, sondern auch in der konservierenden Landwirtschaft eine Zukunftsoption sieht.