Der „Ehrentag der Pflanze“ am 13. April würdigt die essenzielle Rolle von Pflanzen in Ökosystemen sowie als Lebensgrundlage der Menschen, wie u.a. als Nahrungsmittel, als Energielieferant oder als Ausgangsmaterial von Kleidung und Baustoffen. Eine Pflanze, die sich in allen Bereichen und in vielen weiteren Industriezweigen verwenden lässt, ist der Nutzhanf (Cannabis sativa L.). Als Nischenkultur wurde er im Jahr 2025 in Deutschland auf nur knapp 5.300 ha angebaut. Niedersachsen weist unter den Bundesländern insgesamt die größte Anbaufläche (1.478 ha) und die meisten anbauenden Betriebe (131) auf (Pressemitteilung BLE).
Nutzhanf ins richtige Licht gerückt
Zwischen 1982 und 1996 herrschte ein Anbauverbot für Hanf in Deutschland. Dabei wurde nicht zwischen Drogen- und Nutzhanf unterschieden, obwohl Letzterer nur einen geringen Gehalt an der psychoaktiven Verbindung Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) beinhaltet. Auch heute noch unterliegt der Anbau von Nutzhanf strengen Vorgaben. So muss u.a. der THC-Gehalt unter 0,3 Prozent liegen und die Sorten müssen in der EU-Sortenliste eingetragen sein.
Ackerbaulich spricht viel dafür den Nutzhanf in die Fruchtfolge zu integrieren. Er hat keine besonderen Standortansprüche und sobald sich der Bestand einmal etabliert hat, benötigt er meist keine weiteren Pflanzenschutz-Maßnahmen. Sein Anbau kann Problemunkräuter in der Fruchtfolge bekämpfen oder fruchtfolgebedingte Krankheiten durchbrechen. Darüber hinaus hinterlässt die einjährige Ackerkultur eine gute Bodengare. Nicht nur anbautechnisch, sondern auch ökonomisch interessant ist der Faserhanf als Winterzwischenfrucht, sofern eine Vermarktung gegeben ist.
Beim Nutzhanf werden die Samen (botanisch Nüsse) vorrangig für Lebensmittel verwendet. Dabei werden sie häufig für die Gewinnung von Hanföl gepresst. Die Stängel lassen sich in Fasern und Schäben (Bezeichnung für den holzigen Stängelkern) unterteilen. Diese Pflanzenteile sind sehr vielfältig nutzbar und stehen auch vor dem Hintergrund der Transformation von fossilen hin zu erneuerbaren Rohstoffen im Fokus. Ein Beispiel mit Bezug zu Niedersachsen stellt die Revoltech GmbH dar. Das Start-Up aus Darmstadt hat aus Hanffaserresten einen lederähnlichen Kunststoff entwickelt. Diese Innovation mündete in einer Kooperation mit Volkswagen. Der Autokonzern plant das nachhaltige Kunstleder bald in Sitzen oder auch Innenverkleidungen von Fahrzeugen zu verwenden.
Aktivitäten zu Nutzhanf in und aus Niedersachsen
Für eine stärkere Nutzung der vielseitigen Kulturpflanze Hanf, die zu den ältesten Nutzpflanzen der Menschheit gehört, engagieren sich zunehmend verschiedene Akteure, auch in Niedersachsen. Im letzten Jahr veröffentlichte der Startup-Innovationhub Rootcamp GmbH aus Hannover eine Potentialstudie über Nutzhanf. Dies war der Auftakt einer Reihe von Analysen zu biobasierten Wertschöpfungsketten im Auftrag der Landwirtschaftlichen Rentenbank und des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat (BMLEH).
Die Studie kam zu dem Schluss, dass das Potential von Nutzhanf für die Kreislaufwirtschaft derzeit nicht ausgeschöpft wird. Zu den Hemmnissen zählen regulatorische Hürden, geringe Züchtungsaktivität, fehlendes Investment in Verarbeitungsinfrastruktur und mangelndes Wissen. Die Autoren empfehlen daher die gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Wissensvermittlung auszubauen, so wie es das Nutzhanf-Netzwerk e.V. leistet.
Des Weiteren sollte die Züchtungsforschung insbesondere von Koppelnutzungssorten vorangetrieben werden. Eine gesteigerte Wertschöpfung durch die Ernte und Vermarktung der Samen und der Fasern bzw. Schäben, macht Nutzhanf konkurrenzfähiger zu anderen Kulturpflanzen. Für den Ausbau der Verarbeitungsinfrastruktur sollten Modelle mit Vertragsanbau und Kooperation angestrebt sowie gemeinsame Investitionen von Aufschlussanlagen priorisiert werden.
Im Bausektor müssen technische Standards entwickelt oder angepasst werden, die die Nutzung von Naturmaterialien, wie Hanfbeton, erleichtern. Zu guter Letzt sollte durch Forschung und Markterschließung die Nutzung des Hanfproteins in der Humanernährung als Koppelprodukt aus der Ölgewinnung forciert werden.
Die Rootcamp GmbH arbeitet zudem federführend in dem niedersächsischen EIP-Projekt Hempilot an einer Innovation für den Nutzhanf. In diesem Vorhaben wird ein virtueller KI-Anbauassistent entwickelt, der als Entscheidungshilfe für landwirtschaftliche Betriebe rund um den Anbau von Nutzhanf dienen soll. In unserem aktuellen „Ackerbau-Projekt des Monats“ stellen wir Hempilot vor.
Ein Pionier im Anbau von Nutzhanf ist auch der Hof Behn aus Rümmer im Landkreis Helmstedt. Der Betrieb verwendet den Nutzhanf bereits als eine feste Komponente seiner Sommerölkulturen für die Gewinnung von Hanföl. Der innovative Betrieb ist Mitglied im Netzwerk Ackerbau Niedersachsen (NAN) e.V. und berichtete bereits in unserer Reihe „Höfe im Porträt“ über die ackerbaulichen Vorteile und die Herausforderungen in der Vermarktung von Nutzhanf.
Auch das Fachinstitut für Pflanzenbau und Bodenkunde des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig hat im Jahr 2025 seine Forschungsarbeit zum Nutzhanf wieder aufgenommen. So wurden im letzten Jahr erste Sortenversuche angelegt, um das Verhalten von europäischen Sorten aus der EU-Sortenliste unter deutschen Klimabedingungen zu untersuchen. In dem Projekt HemPFi (Laufzeit: 01.10.2025-30.09.2028) charakterisiert das JKI verschiedene genetische Varianten von Faserhanf aus Europa, Urugay und den USA, um sowohl geeignete Genotypen für den Anbau in Deutschland zu finden als auch die Voraussetzungen für zukünftige Züchtungsprogramme zu schaffen. Dabei werden in den Feldversuchen ebenfalls unterschiedliche Saattermine untersucht. Das JKI-Fachinstitut befasst sich in seinen Aktivitäten zum Nutzhanf zudem mit Fragestellungen rund um Erntetechnik und Verarbeitung.
Fazit
Das Interesse für den Anbau von Nutzhanf wächst stetig – sowohl im Ackerbau wie auch in der Agrarpolitik und in der Wirtschaft. Das große Interesse muss allerdings den Weg in eine größere Umsetzung und Anwendung finden. Dazu sollte entlang der ganzen landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette gedacht, geplant und gehandelt werden. Genau das ist auch Leitgedanke des Netzwerkes Ackerbau Niedersachsen (NAN) e.V., das als Träger des Ackerbauzentrums Niedersachsen derartige Entwicklungen für einen nachhaltigen Ackerbau bündelt, sie sichtbar macht und ihnen eine Plattform bietet.