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Ackerbau-Projekt des Monats: AbDü

Die Larven der Schwarzen Soldatenfliege © Norman Breitling/Chipro GmbH

Rund um den Ackerbau gibt es viele innovative Ideen. Hierzu finden zahlreiche spannende Forschungsaktivitäten mit niedersächsischer Beteiligung statt. Wir wollen sie sichtbarer machen und dabei helfen, Erkenntnisse zu verbreiten. Deshalb stellen wir jeden Monat ein Projekt vor. Das Projekt im Juni heißt AbDü und wird vom Netzwerk Ackerbau Niedersachsen (NAN) e.V. geleitet sowie mit weiteren Partnern, wie der Behr AG, umgesetzt.

AbDü – vom Abfall zum Dünger

Bei der Produktion von Freilandgemüse und Sonderkulturen fallen Reststoffe an, die nicht genutzt werden bzw. nicht genutzt werden dürfen. Diese landen dann im besten Fall in der Biogasanlage. Im schlimmsten Fall müssen sie als Abfall entsorgt werden. Das ist nicht im Sinne der ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit. Das EIP-Projekt AbDü will hier eine praxistaugliche Kreislaufwirtschaft durch die Entwicklung eines mobilen Bioreaktors herstellen. Für die Umwandlung der Reststoffe in Wertstoffe wird ein Insekt genutzt: die Schwarze Soldatenfliege.

Die Schwarze Soldatenfliege: Reststoffverwerter und Wertstoffquelle in einem

Die Fliegenlarven fressen die Reststoffe vom Feld und sind selbst eine alternative Protein- und Fettquelle, beispielsweise in der Tierfütterung. Aber auch ihre Ausscheidungen, der sogenannte Frass, sind wertvoll. Sie ergeben einen hochwertigen Pflanzendünger. Zu guter Letzt lässt sich das Außenskelett der adulten Fliegen sowie die Häute der Larven und Puppen als Rohstoffbasis für die Chitin- und Chitosanproduktion nutzen. Bioaktives Chitosan kann eine pflanzenstärkende Wirkung aufweisen. Der Bioreaktor automatisiert praxisgerecht alle Prozesse der Insektenaufzucht und der Trennung der einzelnen Komponenten in einem geschlossenen System. Neben der technischen Entwicklung erfolgen im Laufe des dreijährigen Projektes auch Düngeversuche mit dem Frass und dem Insektenchitosan im Labor und Freiland.

 

Zwiebelabfälle fallen in großen Mengen in der landwirtschaftlichen Erzeugung an © Marion Budde-von Beust/NAN
Der Prototyp des Bioreaktors © Norman Breitling/Chipro GmbH

Über das Projekt sprach Stefanie Schläger vom Ackerbauzentrum Niedersachsen mit den Projektbeteiligten Norman Breitling von der ChiPro GmbH, Dr. Carolin Richter von der Universität Münster und Jürgen Brüning von der Worpsweder Perle.

Fragen an die Technik: Herr Breitling, welche Herausforderungen gab es bei der Entwicklung des Bioreaktors?

Norman Breitling: Die größte Herausforderung bei der Entwicklung des Bioreaktors war die entsprechende Substratzerkleinerung für die unterschiedlichen Reststoffe hinzubekommen. Die Reststoffe müssen eine ausreichend geringe Korngröße aufweisen, um von den Larven der Schwarzen Soldatenfliegen aufgenommen werden zu können. Dazu müssen die verschiedenen Reststoffe, wie Salat, Mais und Kartoffeln, unterschiedlich zerkleinert werden.

Und wo sehen Sie das größte Potential für dieses System?

Norman Breitling: Das größte Potential des mobilen Bioreaktors sehe ich in der Landwirtschaft und der lebensmittelverarbeitenden Industrie, weil die Reststoffe nicht mehr irgendwohin transportiert werden müssen. Sie können an Ort und Stelle sowie immer dann, wenn sie anfallen, verarbeitet werden.

Eine Frage an die Wissenschaft: Frau Dr. Richter, konnten Sie Besonderheiten bei den Düngeversuchen mit dem Insektenfrass und dem Chitosan feststellen?

Dr. Carolin Richter: Die Versuche mit Eisbergsalat haben sehr gut funktioniert. Da konnten wir die nötige Menge an konventionellem Dünger durch die Zugabe von Frass deutlich reduzieren. Was nicht so gut funktioniert hat, war der Versuch mit den Tomatenpflanzen. Hier haben wir den Verdacht, dass ein zu hoher Kaliumgehalt im Frass ein Problem für das Pflanzenwachstum gewesen ist. Hier müsste man dann auf jeden Fall dem Frass andere Substanzen mit einem höheren Stickstoffgehalt beimischen, um hier auch ein gutes Pflanzenwachstum zu erreichen. Mit dem Einsatz von Chitosan konnten wir die Effizienz der Düngung steigern. Behandelte Tomatenpflanzen erzielten im Vergleich zur Kontrollgruppe einen höheren Ertrag.

Eine Frage an die Praxis: Herr Brüning, was hat Sie zur Projektteilnahme bewegt?

Jürgen Brüning: Ich habe mich dem Projekt gewidmet, weil ich als Kartoffelbauer die Problematik habe, dass ich die Sortiererde von den Kartoffeln im Betrieb schlecht loswerde. Daher fand ich es spannend, dass die Larven der Schwarzen Soldatenfliege die Kartoffeln und eventuell auch die Sortiererde fressen und hygienisieren können. Auf diese Weise könnte die Sortiererde wieder auf den Acker gebracht werden und ein Kreislauf geschlossen werden. Auch spannend an dem Projekt finde ich die Nebeneffekte, wie mit dem Chitosan, welches als Pflanzenstärkungsmittel in Betracht kommen kann.

Weitere Projektpartner:
Projektlaufzeit: 29.06.2023 bis 30.06.2026