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Ackerbau-Projekt des Monats: FINKA

Taubnessel im Winterweizen © J. Tempel

Rund um den Ackerbau gibt es viele innovative Ideen. In Niedersachsen finden hierzu zahlreiche spannende Forschungsaktivitäten statt. Wir wollen sie sichtbarer machen und dabei helfen, Erkenntnisse zu verbreiten. Deshalb stellen wir jeden Monat ein Projekt vor. Das Projekt im Januar heißt FINKA und lief bis Ende 2025. Das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen GmbH (KÖN) hat das Projekt koordiniert und gemeinsam mit weiteren Partnern, wie dem NAN e.V. und dem Landvolk Niedersachsen e.V., umgesetzt.

FINKA – Förderung von Insekten im Ackerbau

Insekten erfüllen in Agrarökosystemen zentrale ökologische Funktionen: Als Bestäuber zahl­reicher Pflanzenarten, Zersetzer, Bestandteil von Nahrungsnetzen und als natürliche Antago­nisten von Schäd­lingen. Die Insektenvielfalt geht seit Jahrzehnten zurück. Die Ursachen für den Rückgang sind vielfältig. Zu den Einflussfakto­ren zählt der Klimawandel, Umweltbelastungen sowie Veränderungen in der Land­nutzung und dabei auch der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln.

Das Projekt FINKA nahm sich mit einem kooperativen Ansatz dieser Thematik an. Dazu arbeiteten über Niedersachsen verteilt 30 Betriebspaare – jeweils ein konventionell sowie ein ökologisch wirtschaftender Partner – zusammen. Dreh- und Angelpunkt der Kooperation war eine Ackerfläche des konventionellen Betriebes, auf der während der Projektlaufzeit auf chemisch-synthetische Insektizide und Herbizide verzichtet wurde. Der ökologisch wirtschaftende Projektpartner unterstützte bei der Bewirtschaftung mit seiner Technik und Erfahrung zur mechanischen Unkrautkontrolle. Verglichen wurden diese Maßnahmenflächen sowohl mit betriebsüblich konventionellen als auch mit ökologischen Flächen der Betriebspartner.

Striegeln im Mais © J. Tempel

Die Änderung in der Bewirtschaftung wurde wissenschaftlich begleitet und ökonomisch sowie ökologisch bewertet. Bei der ökologischen Auswertung konnten durchweg positive Trends verzeichnet werden. Die Georg-August-Universität Göttingen stellte fest, dass eine herbizidfreie Bewirtschaftung die Ackerbegleitflora hinsichtlich ihrer Artenzahl und ihres Blütenangebotes fördert. Auch die Insektenvielfalt profitiert von einem herbizid- und insektizidfreien Anbau. Diesen Aspekt untersuchte das Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels in Bonn. Die ökonomische Evaluierung durch die Projektcoaches vom KÖN und vom NAN zeigte: Im Getreide war die mechanische Beikrautregulierung in der Regel kostengünstiger als die betriebsübliche Herbizidstrategie. Allerdings fielen die Erträge durchschnittlich um 10% geringer aus. In Hackkulturen, insbesondere in Zuckerrüben, stiegen die Kosten für die mechanische Beikrautkontrolle dagegen durch den mehrmaligen Einsatz der Geräte stark an und machten das Verfahren unwirtschaftlich.

Die Projektergebnisse im Detail zu den verschiedenen Ackerkulturen lassen sich auf der FINKA-Website nachlesen. Darüber hinaus gibt es viele wertvolle Links mit weiterführenden Informationen.

Marienkäfer im Getreide © J. Tempel

Über das Projekt sprach Dr. Stefanie Schläger vom Ackerbauzentrum Niedersachsen mit Jana Tempel. Sie betreute als Projektcoach beim Netzwerk Ackerbau Niedersachsen e.V. (NAN) 30 der teilnehmenden landwirtschaftlichen Betriebe:

Welche Rolle spielt die Pflanzenschutzmittelreduktion für die Förderung der Biodiversität im Ackerbau?

Eine Reduktion von chemischen Pflanzenschutzmitteln kann zur Förderung der Biodiversität beitragen – das bestätigen auch unsere ökologischen Untersuchungen im FINKA-Projekt. Wir wissen, dass Pflanzenschutzmittel auch Nichtzielorganismen treffen, die jedoch wichtige Funktionen im Agrarökosystem übernehmen. Gleichzeitig ist die Pflanzenschutzmittelreduktion aber nur ein Baustein von vielen, um die Insektenvielfalt zu fördern. Entscheidend ist, verschiedene Strategien – von der Fruchtfolgegestaltung über Strukturelemente und weitere gezielte Maßnahmen – sinnvoll, also möglichst effizient, miteinander zu verknüpfen und standortangepasst sowie betriebsübergreifend auf Landschaftsebene zu planen und umzusetzen.

Das Projekt stellte den praktischen Landwirt in den Mittelpunkt. Was sind die Hebel für landwirtschaftliche Betriebe, um Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz leichter umsetzen zu können?

Am wichtigsten ist es, dass es für den Betrieb aus praktischer Sicht sinnvoll ist. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn der Einsatz alternativer Methoden auch ackerbauliche Vorteile bringt. Dies kann bei der Gräserbekämpfung der Fall sein. Denn rein aus der betriebswirtschaftlichen Sicht ist es meist nicht sinnvoll, das Beikraut mechanisch, statt chemisch zu regulieren. Ohne geeignete Förderinstrumente oder marktseitige Anreize wird eine flächendeckende Umsetzung meines Erachtens kurzfristig kaum erfolgen.

Zahlreiche Betriebe sind sehr daran interessiert, sich mit Alternativen zum chemischen Pflanzenschutz auseinanderzusetzen. Dies liegt nicht nur am politischen und gesellschaftlichen Druck, sondern auch aus dem Wunsch heraus, aktiv zur Förderung der Biodiversität beizutragen. Und darüber hinaus zwingen auch zunehmenden Resistenzen von Unkräutern und Ungräsern sowie eine geringere Wirkstoffauswahl zu veränderten Praktiken. Unser Modell mit den Betriebstandems war ein guter Ansatz: Konventionelle Betriebe erhielten Zugang zu entsprechenden Geräten wie Striegel oder Hacke und konnten ausprobieren, wie diese funktionieren. Auch der kollegiale Austausch auf Augenhöhe zwischen Betrieben ist dabei ganz entscheidend. Darüber hinaus ist es wichtig, dass Landwirtinnen und Landwirte diese Alternativen nicht alleine umsetzen, sondern dass die Integration mechanischer Maßnahmen in das konventionelle System über alle Akteure hinweg mitgedacht wird – zum Beispiel durch institutionelle Verankerung in Aus- und Weiterbildung sowie durch die gezielte Stärkung der Beratungskompetenzen in diesem Bereich.

Was hat Dir persönlich am meisten an der Projektarbeit gefallen?

Am wichtigsten war für mich bei der Projektarbeit die Zusammenarbeit mit so vielen motivierten Betrieben. Viele wertvolle Impulse kamen direkt aus der Praxis. Besonders bereichernd war für mich die Zusammenarbeit von Betrieben, Beratung und Wissenschaft. Formate wie unsere FINKA-Treffen in Kleingruppen auf dem Acker mit den entsprechenden Akteuren sollten unbedingt fortgeführt werden, denn in diesen Arbeitskreisen entstehen häufig gute Ideen und praxistaugliche Lösungsansätze.

FINKA-Feldbegehung im Raps © J. Tempel
Weitere Projektbeteiligte:
- Sechzig landwirtschaftliche Betriebe in Niedersachsen
- Förderung durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit sowie dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz mit Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz.
Projektlaufzeit: 01.04.2020 - 31.12.2025