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3. Tagung Bodenfruchtbarkeit und Wasserschutz:

Wie Carbon Farming-Maßnahmen zur Kohlenstoffmehrung und Nitratminderung beitragen

Tagung in Präsenz und online am 19. Februar 2026 auf Gut Moorbeck in Großenkneten

Eine gemeinsame Veranstaltung des Oldenburgisch-Ostfriesischen

Wasserverbands und des Ackerbauzentrums Niedersachsen

Mit Maßnahmen des Carbon Farmings soll Kohlenstoff in landwirtschaftlich genutzten Böden festgelegt werden, um so zum Klimaschutz beizutragen. Carbon Farming kann darüber hinaus weitere positive Wirkungen auf den Ackerbau und die Umwelt mit sich bringen. Dazu gehören unter anderem eine verbesserte Bodenfruchtbarkeit sowie die Verminderung von Nitrateinträgen in das Grundwasser und die Oberflächengewässer. Auf der Tagung widmen wir uns den – im wahrsten Sinne des Wortes – tiefgreifenden Maßnahmen, die einen höheren Aufwand sowie größere Eingriffe auf der Agrarfläche und in die Unternehmensstruktur bedeuten. Freuen Sie sich auf spannende und informative Einblicke in Forschungsprojekte und das Versuchswesen sowie Erfahrungen aus der landwirtschaftlichen Praxis.

PROGRAMM

ab 09:30 Uhr

Ankommen 

10:00 Uhr

Begrüßung und Einführung
Dr. Christina Aue, Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband
Hilmar Freiherr von Münchhausen, Ackerbauzentrum Niedersachsen

Vorträge I: Carbon Farming – ackerbaulich tiefgreifend

10:20 Uhr

Unterboden-Bewirtschaftung im INTERREG Projekt ‚Blue Transition‘: Fünf Zentimeter für mehr Humus und Wasserschutz
Dr. Florian Stange, BGR – Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
Dr. Franz Antony, INGUS – Ingenieurdienst Umweltsteuerung GmbH

11:00 Uhr

Agroforstsysteme: Langfristig Kohlenstoff speichern?
Dr. Ernst Kürsten, DeFAF – Deutscher Fachverband für Agroforstwirtschaft e.V.

11:30 Uhr

Pflanzenkohle: Dauerhaft Kohlenstoff in den Boden bringen?
Dr. Mirjam Helfrich, Institut für Agrarklimaschutz, Johann Heinrich von Thünen – Institut

12:00 Uhr

Die Erfahrung zu Agroforst und Pflanzenkohle aus der Praxis
Ingo Zapp, Forsthof Artland GmbH

12:30 Uhr

Mittagspause und Austausch

Vorträge II: Carbon Farming – in die Unternehmensstruktur eingreifend

13:30 Uhr

Ökologischer Landbau und Carbon Farming: Synergien und Zielkonflikte
PD Dr. Christopher Poeplau, Institut für Agrarklimaschutz, Johann Heinrich von Thünen-Institut

14:00 Uhr

Knackpunkt Grünlanderhalt: Was hilft der Landwirtschaft, dem Wasserschutz und dem Klimaschutz?
Dr. Ralf Kosch, Leitung Fachbereich Grünland und Futterbau, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

14:30 Uhr

Die Erfahrung zu Ökolandbau und Grünlanderhalt aus der Praxis
Prof. Dr. Dr. Frank Eulenstein (ZALF – Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung e.V.)

15:00 Uhr

Abschlussgespräch und Diskussion
Im Anschluss möchten wir mit PD Dr. Christopher Poeplau vom Thünen-Institut, dem Experten für die Dynamik des Bodenkohlenstoffs in landwirtschaftlichen Ökosystemen, die vorgestellten Maßnahmen und Erfahrungen einordnen und bewerten sowie folgend mit Ihnen in die Diskussion kommen.

16:00 Uhr

Ausklang

ORGANISATORISCHES

Die Teilnahme ist kostenlos.

Sie haben noch die Möglichkeit online an der Veranstaltung teilzunehmen.

Sie können an der Veranstaltung auch über folgenden Link teilnehmen:
https://bodentag.golivenow.net

Ort und Anreise:
Gut Moorbeck, Amelhauser Straße 56 – 58, 26197 Großenkneten

Anreise mit dem Zug bis Bhf. Wildeshausen oder Bhf. Großenkneten

Rückfragen:
Dr. Stefanie Schläger, Tel.: 0174 6611076, E-Mail: Stefanie.Schlaeger@Netzwerk-Ackerbau.de
Alice Woelk, Tel.: 0151 42391098, E-Mail: woelk@oowv.de

Das Netzwerk Ackerbau Niedersachsen (NAN) e.V. ist Träger des Ackerbauzentrums Niedersachsen und Mitveranstalter. Das Ackerbauzentrum wird mit Mitteln des Landes Niedersachsen gefördert.

Unsere Redner

Dr. Franz Antony
INGUS - Ingenieurdienst Umweltsteuerung GmbH
Unterboden-Bewirtschaftung im INTERREG Projekt ‚Blue Transition‘: Fünf Zentimeter für mehr Humus und Wasserschutz

„Ackerböden in Deutschland werden intensiv genutzt und belüftet. Zugeführter Nährhumus kann daher nur dann in Dauerhumus überführt werden, wenn aktiv leistungsfähige C- und N-Senken im Boden geschaffen werden, um die Mineralisierung zu hemmen und die Humifizierung zu fördern. Dies gelingt am Besten durch eine Verdünnung des Humusgehaltes auf eine größere Bodenmenge und das Streben des Bodens, sein altes Humusgleichgewicht wiederherzustellen. Als geeignete Maßnahme hierfür bietet sich eine flächenhafte Krumenvertiefung (fKV) an, die in der Praxis allerdings nicht per Pflug, sondern mit standortgeeigneten Tiefenlockergeräten erreicht werden sollte. INGUS stellt eine solche „Unterboden-Bewirtschaftung“ vor, die zu mehr BodenWachstum, mehr Dauerhumus, mehr Wasserrückhalt, weniger Nitrat-Auswaschung und der Verbesserung vieler weiterer Bodenfunktionen beiträgt. Es ist eine Maßnahmen-Kombination aus mechanischer Tiefenlockerung (bis 50 cm) mit ergänzender Nährhumus-Zufuhr und Kalkung zur Stabilisierung des mechanisch unterstützten Bodengefüges. Der Ansatz ist mit allen Formen der Oberboden-Bewirtschaftung (Krume) bis hin zur Direktsaat verknüpfbar und könnte zu einer der sichersten und wirksamsten Carbon-Farming-Maßnahmen der deutschen Landwirtschaft werden.
Ziel ist ein neues Leitbild für Ackerböden ohne streng abgegrenzte Ap-Horizonte, stattdessen aber mit einer bis ca. 50 cm Tiefe „Humuswolke“ ohne störende Grenzschichten. Dies empfiehlt auch das Bundeslandwirtschaftsministerium für gesunde und ertragsreiche Ackerböden (vgl. Boden des Jahres 2023). Der INGUS-Ansatz basiert auf Ergebnissen von Nieder und Richter (TU Braunschweig) zu den positiven Effekten der Krumenvertiefung in den 1970 bis 1990er Jahren und auf der Aussage von Prof. Don im Thünen Working Paper 112 (2018), Zitat: „Es verdichten sich die Hinweise, dass gerade die tiefere Einbringung von organischer Substanz ein Potenzial zur Bodenkohlenstoffanreicherung hat“. INGUS zeigt dazu erfolgreiche Praxisbespiele von Landwirten, deren Böden dem Leitbild eines grenzschichtenfreien Ackerbodens mit erhöhten Humusgehalten bis 50 cm bereits sehr nahe kommen. Die dargestellte „Unterboden-Bewirtschaftung“ ist eine WIN-WIN-Lösung für Umwelt und Landwirtschaft, sie verbessert nahezu alle umweltrelevanten Bodenfunktionen, aber auch ganz wesentlich die Ertragsleistung von Ackerböden (Bodenproduktivität) für Landwirte.“

Dr. Ernst Kürsten
DeFAF - Deutscher Fachverband für Agroforstwirtschaft e.V.
Agroforstsysteme: Langfristig Kohlenstoff speichern?

„Die Kohlenstoffspeicherung in Agroforstsystemen ist besonders offensichtlich und kann auch gut gemessen werden. Damit bestehen gute Chancen, dafür Kohlenstoffzertifikate im Rahmen des CRCF (Carbon Removal Certification Framework) der EU zu generieren. Die Methoden dafür sollen Ende 2026 verfügbar sein und bis 2028 sollen Kontrollmechanismen durch Dritte und eine EU-weite Registrierungsmöglichkeit für die Zertifikate geschaffen werden. Agroforstsysteme können auch die „Produktionsgrundlagen“  für die besonders hochwertigen „dauerhaften CO2-Entnahmen“ (Permanent Removals) in Form der Bioenergienutzung mit CO2-Abscheidung und Einlagerung (BECCS) oder der Pflanzenkohleproduktion werden.“

Dr. Mirjam Helfrich
Institut für Agrarklimaschutz, Johann Heinrich von Thünen - Institut
Pflanzenkohle: Dauerhaft Kohlenstoff in den Boden bringen?

„Pflanzenkohle gilt aufgrund ihrer hohen chemischen Stabilität als ernstzunehmende negative Emissionstechnologie. Ihr Potenzial zur langfristigen Kohlenstoffspeicherung ist wissenschaftlich gut belegt. Weniger eindeutig sind hingegen agronomische Synergieeffekte unter den Bedingungen gemäßigter Breiten. Die Wirkung im Boden hängt stark vom Ausgangsmaterial, der Pyrolysetechnologie und der Aktivierung ab. Eine Applikation auf Ackerflächen erscheint daher nur dann sinnvoll, wenn neben der Kohlenstoffbindung auch positive Effekte auf Nährstoffdynamik, Wasserhaushalt oder Erträge zu erwarten sind. In meinem Vortrag diskutiere ich die wissenschaftlichen Grundlagen, Anwendungsmöglichkeiten und realistischen Effekte von Pflanzenkohle im Ackerbau – zwischen Klimaschutzpotenzial und landwirtschaftlicher Praxis.“

Ingo Zapp
Forsthof Artland GmbH
Die Erfahrung zu Agroforst und Pflanzenkohle aus der Praxis

„Ich möchte für die Zukunft meiner Kinder CO2 aus der Luft holen, die Biodiversität steigern und damit die Landschaft lebenswerter für alle machen. Mit der bereits erfolgten Umsetzung hoffe ich andere zu begeistern und anzuregen mit zu machen. In meinem folgenden Vortrag möchte ich entlang von Bilderreihen einen Einblick in den jetzigen Stand des Projekts geben.“

PD Dr. Christopher Poeplau
Institut für Agrarklimaschutz, Johann Heinrich von Thünen - Institut
Ökologischer Landbau und Carbon Farming: Synergien und Zielkonflikte

„Der Ökolandbau ist auf die Nährstoffe aus der organischen Bodensubstanz angewiesen. Es liegt deshalb nah, dass die klassische ökologische Bodenbewirtschaftung viele Maßnahmen zur Humusmehrung integriert. Andererseits sind Erträge und Biomasseproduktion aufgrund der geringeren Nährstoffverfügbarkeit im Ökolandbau geringer als im konventionellen Landbau. Dies könnte sich auch negativ auf Humusvorräte auswirken. In den wenigen experimentellen Systemvergleichen, die es weltweit gibt, scheint der Ökolandbau leicht die Nase vorn zu haben. Dabei handelt sich jedoch zumeist um Idealbedingungen und die wissenschaftliche Debatte zu diesem Thema ist nach wie vor in vollem Gang. Im Rahmen des angestrebten Ausbaus des Ökolandbaus stellt sich immer wieder die Frage, wie die Humuswirksamkeit einer solchen Systemumstellung zu bewerten ist. In der vorgestellten Studie haben wir anhand der Daten der Bodenzustandserhebung Landwirtschaft (BZE-LW) und dem Humusklimanetz den Praxischeck gemacht. Anhand der Ergebnisse dieser aktuellen Studie wird der Ökolandbau im Kontext Carbon Farming eingeordnet.“

Dr. Ralf Kosch
Leitung Fachbereich Grünland und Futterbau, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Knackpunkt Grünlanderhalt: Was hilft der Landwirtschaft, dem Wasserschutz und dem Klimaschutz?

„Grünland ist in Deutschland die drittgrößte Nutzungsform auf landwirtschaftlichen Böden und gilt als gewässerschonende Anbaukultur. Durch große Mengen gespeicherten Kohlenstoffs ist Grünland als Kohlenstoffsenke auch für den Klimaschutz ein wichtiger Baustein. Die vielen positiven Aspekte des Grünlandes sind aber kein Selbstläufer für dessen Erhalt. Die Knackpunkte, die dem Erhalt des Grünlandes entgegenstehen sind vielfältig und sollen beleuchtet werden.“

Burkhard Fromme
Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung e.V. und Landwirt
Direktsaat Planting Green

„Unseren Boden fit machen für die Herausforderungen der Zukunft, wie dem Klimawandel.“