Unter dem Titel „Wassermanagement in der Kulturlandschaft“ fand am 28. Mai 2026 der 13. „Projekttag Wasser“ auf dem Campus Suderburg der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften statt. Ausrichter sind der ortsansässige Verein, die Erica Ingenieure – Gesellschaft für Naturwissenschaft und Technik e.V., der die Aus- und Weiterbildung an der Ostfalia Hochschule unterstützt sowie Wissenschaft, Forschung und Wissenstransfer fördert, und die Ostfalia Hochschule mit dem Institut für nachhaltige Bewässerung und Wasserwirtschaft (INBW). Der Standort Suderburg zeichnet sich durch eine hohe Kompetenz zu Fragen rund um das Thema Wasser und einer gelebten Praxisverbundenheit aus. Die thematische Breite der Veranstaltung unterstrich auf wie vielfältige Weise die Ressource Wasser und die Landwirtschaft verknüpft sind. So fanden sich unter den Teilnehmern neben Studierenden und Absolventen der Hochschule auch verschiedene Vertreter aus der Landwirtschaft.
Vernässung von Mooren für Natur- und Klimaschutz
Ein Schwerpunktthema war die Wiedervernässung von einst für die landwirtschaftliche Nutzung trockengelegten Moorstandorten. Während in der Vergangenheit dabei meist die Anliegen des Naturschutzes im Vordergrund standen, rückt heute zusätzlich der Klimaschutz in den Fokus. Denn trockengelegte Moore sind eine Hauptquelle von Treibhausgasemissionen, gerade in einem moorreichen Bundesland wie Niedersachsen. Allerdings muss es alternative Einkommenswege für die betroffenen Betriebe geben, wie Professor Dr. Klaus Röttcher von der Ostfalia Hochschule sowie Leiter des INBW in seinem Übersichtsvortrag festhielt. Am INBW widmet man sich den offenen, wasserwirtschaftlichen Forschungsfragen für eine nachhaltige Moorwiedervernässung. Dazu sind zum Beginn des Jahres zwei neue Projekte gestartet: Im Vorhaben „NassMoor“ wird das Ziel verfolgt, die Auswirkungen des Klimawandels und zukünftigen klimatischen Veränderungen auf den Wasserhaushalt von Hochmooren zu erforschen und daraus praxistaugliche Maßnahmen für eine nachhaltige Vernässung zu entwickeln. Im Projekt „MoniMoor“ werden die wasserwirtschaftlichen Grundlagen für eine nachhaltige Bewirtschaftung von Moorstandorten durch Paludikulturen mit Torfmoosen untersucht. Ein weiteres Projekt zu Möglichkeiten von Photovoltaik auf Moorflächen steht kurz vor der Bewilligung.
Fokus Feldberegnung
Einen weiteren Schwerpunkt auf dem Projekttag bildete die landwirtschaftliche Feldberegnung. In einem Übersichtsvortrag referierte Ulrich Ostermann vom Kreisverband der Wasser- und Bodenverbände Uelzen über die Zukunft der Beregnung für den Raum Uelzen-Lüneburg, dem größten zusammenhängenden Beregnungsgebiet in Deutschland. Einflussfaktoren sind nicht nur die klimatischen Änderungen, die durch Intensivierung und Erweiterung der Beregnungsflächen zu einem höheren Wasserbedarf führen. Auch Landnutzungsänderungen durch den Menschen beeinflussen die Wasserverfügbarkeit. So führen weniger Heideflächen und mehr Fichtenbestände zu einem geringeren Abfluss und somit zu weniger Grundwasserneubildung. An zahlreichen Beispielen zum Wasserrückhalt, -speicherung und -wiederverwendung skizzierte Ulrich Ostermann die Möglichkeiten die Wasserverfügbarkeit für die Feldberegnung zu erhöhen und zu sichern. Allerdings benötigen diese teils sehr langwierigen Maßnahmen politische und gesellschaftliche Akzeptanz für die Umsetzung. Auch das INBW befasst sich intensiv mit dem Wassermanagement für die Feldberegnung. Im Projekt „4Drain“ werden Datengrundlagen zur räumlichen und zeitlichen Wasserverteilung unter Bewässerungsmaschinen geschaffen. Jan Brunhöfer stellte den aktuellen Projektstand vor. Aus den Feldversuchen konnte bisher festgestellt werden, dass die übliche Wasserkanone eine gute Wasserverteilung erreicht. Noch besser war aber der Kreisberegner, der jedoch nur auf ausreichend großen Flächen eingesetzt werden kann. Im Versuchsjahr 2026 werden noch Feldversuche mit dem Beregnungsroboter Rainbutler durchgeführt. Im Projekt „WassKli“ geht es um die richtige Dimensionierung von Wasserspeichern. Maurice Dedolf erläuterte hierzu, wie die Berechnungen mit unterschiedlichen Klimaszenarien und verschiedenen Betriebsstrategien erfolgen. Am Ende soll daraus ein praxisnaher Leitfaden als Entscheidungshilfe entstehen.
Schutz vor Hochwasser und Überschwemmungen
Einen Beitrag aus der landwirtschaftlichen Praxis trug Stefan Schreiber bei, der einen Ackerbaubetrieb im Landkreis Wolfenbüttel leitet. Nach einem Starkregenereignis, das zu Überschwemmungen im Dorf führte, entschied er sich für ein Agroforstsystem auf der betroffenen Ackerfläche. Dazu wurde das Keyline Design angewendet, bei dem die Agrargehölze so auf der Ackerfläche gepflanzt werden, wie sie anhand der Höhenlinien die Wasserverteilung beeinflussen. Die Integration von Energieholz passte zudem in sein wirtschaftliches Konzept, denn Stefan Schreiber betreibt auch ein Nahwärmenetz. In seinem Vortrag ging er auf die planerischen und regulatorischen Herausforderungen bei der Etablierung eines Agroforstsystems ein.
Sören Hartmann von dem Drainage-Fachunternehmen Karl Möhle GmbH erklärte in seinem Vortrag anhand des bauzeitlichen Ablaufs, wie bei Trassenbaustellen die Funktion des landwirtschaftlichen Dränagesystems nicht zu Schaden kommt und somit Überschwemmungen auf den Ackerflächen vermieden werden.
Alle Themen und Präsentationen des Projekttages Wasser sind online einsehbar.