Wiebke Schlich, bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen angesiedelte Regionalkoordinatorin von LeguNet für Niedersachsen, moderierte durch das Programm und begrüßte mit dem Leiter des Ackerbauzentrums und Geschäftsführer des NAN e.V. Hilmar Freiherr von Münchhausen die Gäste. Er verwies darauf, dass Leguminosen in vielerlei Hinsicht eine wertvolle Rolle im Ackerbau spielen. Daher sei die Tagung zum Pflanzenschutz im Leguminosenanbau eine wichtige Fortsetzung der im Januar 2025 auf der Burg Warberg organisierten Tagung „Leguminosenanbau in Niedersachsen: Interessiert uns nicht die Bohne?“.
Den inhaltlichen Einstieg bereitete Torben Windheim, Koordinator der Niedersächsischen Eiweißstrategie bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Er ging dabei auch auf die Bedeutung des Anbaus von Ackerbohne, Körnererbse und Sojabohne in Niedersachsen ein und zeigte, dass die Anbauflächen zwar stetig zunehmen, Körnerleguminosen aber dennoch insgesamt noch eine Nischenkultur in Niedersachsen sind. Eine Umfrage des Netzwerkes LeguNet aus dem Jahr 2024 auf 51 Betrieben in Niedersachsen gibt Hinweise auf mögliche Ursachen: Neben der unzureichenden Wirtschaftlichkeit, unsicherer Kulturführung und hohen Ertragsschwankungen, insbesondere bei Ackerbohnen, wurde auch die Herausforderung des Pflanzenschutzes genannt und auf die geringe Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln und die Gefahr der Leguminosenmüdigkeit verwiesen.
Pflanzenschutz wird nie zur Routine
Dr. Stefan Krüssel, Leiter des Pflanzenschutzamtes der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, unterstrich die allgemeinen Grundsätze des Integrierten Pflanzenschutzes als Teil der guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft. Er ging in seinem Vortrag auch darauf ein, dass es nur schwer vorherzusagen ist, wie massiv Krankheiten und Schädlinge jährlich auftreten, da dies von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird. Die Tagung lieferte dazu zahlreiche Beispiele, wie u.a. klimatische Änderungen. So führen die oft nur noch mild verlaufenen Winter zu einer weniger starken Reduktion von Blattläusen. Auf der anderen Seite führt der Klimawandel aber auch dazu, dass z.B. die Erbsengallmücke als ein einst sehr bedeutendes Schadinsekt kaum noch auftritt. Darauf machte Kristin Schwabe von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt (LLG) aufmerksam, die zu tierischen Schädlingen im Erbsenanbau referierte.
Ein weiterer Einflussfaktor ist die Witterung. Heinrich Steinhoff von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellte in seinem Beitrag mehrjährige Fungizidversuche in Ackerbohnen gegen Rost und Schokoladenfleckigkeit vor. Er zeigte, dass das Mittel Folicur den Ertrag im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle nicht in jedem Jahr absichern konnte und verwies dabei auch auf die sehr unterschiedlichen Witterungsbedingungen in den verschiedenen Versuchsjahren. Der Vortrag von Dr. Helmut Saucke von der Universität Kassel regte dazu an, den definierten Bekämpfungsrichtwert des Buchtenfrasses in Ackerbohnen durch den Blattrandkäfer zu überdenken. Im Rahmen von ökologisch bewirtschafteten Feldversuchen zeigte sich, dass Winterweizen als Folgefrucht einen höheren Stickstoffertrag nach käferexponierten Ackerbohnen aufweisen kann als im Vergleich zu eingenetzten Ackerbohnen. Dieser Nachfruchteffekt sollte genauer untersucht werden.
Dr. Jörg Peter Baresel, ebenfalls von der Universität Kassel, hinterfragte in seinem Vortrag die bisherigen Auffassungen zur viel diskutierten Leguminosenmüdigkeit. Statt allein auf lange Anbaupausen zu setzen, zeigten von ihm vorgestellte Versuchsergebnisse, wie wichtig es ist, das Pflanzen- und Bodenmikrobiom u.a. durch hohe Anbauvielfalt zu stärken. Um u.a. Fusarien, die lange Zeit im Boden überdauern können, zu bekämpfen sei ein biologisch aktiver Boden von zentraler Bedeutung. Pflanzenpathogene können durch Bewirtschaftungsmaßnahmen unterdrückt werden. Er unterstrich in diesem Zusammenhang, dass es beim Anbau legumer Zwischenfrüchte von großer Bedeutung ist, diese frühzeitig absterben zu lassen, um es Pathogenen nicht zu ermöglichen, ihren Entwicklungszyklus abzuschließen.
Engpass Förderung und Finanzierung
Auf der Tagung wurde mehrfach betont, dass es Leguminosen als Nischenkultur bei der Weiterentwicklung von pflanzenschützenden Maßnahmen schwer haben ausreichend berücksichtigt zu werden. Heiko Ziebell vom Institut für Epidemiologie und Pathogendiagnostik am Julius Kühn-Institut (JKI) berichtete über die Schwierigkeit, Fördermittel für derartige Nischenkulturen zu akquirieren, um die sehr zeit- und arbeitsaufwendige Suche nach Resistenzquellen in Erbsen und Ackerbohnen gegenüber dem Virusüberträger, der Blattlaus, zu leisten. Leguminosenviren sind seit 2016 ein wiederkehrendes Problem und allein auf Insektizide zu setzen, sei nicht ratsam, weil nur noch wenige Mittel zugelassen sind und zudem wenig Vielfalt an Wirkstoffen besteht. Das fördert den selektiven Prozess nach resistenten Blattläusen und entspricht nicht einer Resistenzvermeidungsstrategie, die auch Stefan Krüssel in seinem Vortrag hervorhob. Dieser ging darüber hinaus allgemein auf die Situation der Pflanzenschutzmittel in Deutschland ein. Dabei hielt Stefan Krüssel fest, dass Wirkstoffe schneller wegfallen, als dass wirksame Alternativen entwickelt werden. Bei den Leguminosen kommt hinzu, dass sie kleine Märkte bedienen und somit die Produktentwicklung für Unternehmen wirtschaftlich wenig attraktiv ist. Das konnte Martin Heger von der BASF bestätigen. Er machte deutlich, dass aus Unternehmenssicht global gedacht werden muss. Sojabohnen sind beispielsweise eine Kultur mit weltweit übergeordneter Bedeutung.
Allerdings entsprechen globale Lösungen nicht immer den lokalen Herausforderungen. So konzentriert sich die Forschung bei Sojabohnen auf herbizidresistente Unkräuter, wie Amaranth-Arten. Diese sind aber (noch) kein Thema in Deutschland. Martin Heger merkte auch an, dass besondere regulatorische Anforderungen, also über die europäischen Standards hinaus, kommerziell nicht umgesetzt werden können. Er ergänzte jedoch, dass Produktlösungen auch für mögliche andere Ackerkulturen, wie den Leguminosen, bei der Zulassung mitgedacht werden. Felix Haarstrich von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen berichtete schließlich anhand von Versuchsergebnissen zur chemischen Beikrautregulierung in Erbsen und Ackerbohnen von den Schwierigkeiten einen umfassenden, wirkungsvollen Schutz gegenüber den verschiedenen Unkrautarten zu erreichen.
Zusammenwirken aller Maßnahmen
Markus Mücke, Fachbereich Ökologischer Landbau bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, ging auf die Bedeutung mechanischer Beikrautkontrolle bei Körnerleguminosen ein. Er betonte, wie wichtig es sei, die Geräteeinstellungen nicht als starr anzusehen, sondern je nach Kultur, Bodenart und Witterungsbedingungen zu modifizieren. Es gäbe keine Standardeinstellungen und der Zeitaufwand, um die richtige Geräteeinstellung, z.B. beim Striegel, zu finden, würde sich lohnen. Auch empfiehlt er in moderne Technik zu investieren, denn mit ihr lässt es sich präziser arbeiten. Als elementar für eine erfolgreiche Beikrautregulierung in Körnerleguminosen sieht er neben Striegel und Hacke auch die vorbeugenden, ackerbaulichen Maßnahmen.
Kristin Schwabe ging in ihrem Vortrag auch auf Bekämpfungsstrategien gegenüber dem Erbsenwickler ein. Dabei stellte sie Feldversuche mit der Einbindung des Prognosemodells CYDNIGPRO vor, das bei der Entscheidung, wann Insektizide eingesetzt werden sollten, helfen soll und seit 2022 bei ISIP veröffentlicht und frei verfügbar ist. In ihrem Fazit empfahl sie neben dem Prognosemodell auch Fangzahlen des Schadfalters, das Entwicklungsstadium der Erbse und die Warndienstempfehlungen des lokalen Pflanzenschutzdienstes für den Einsatz und den Zeitpunkt von Insektizidapplikationen zu berücksichtigen. Des Weiteren sollten ackerbauliche Maßnahmen, wie einen Mindestabstand von 2,5-3 km zu Vorjahres-Erbsenschlägen, beachtet werden. Letzteres sorgte für Diskussion unter den Teilnehmern, denn in kleinstrukturierten Regionen lassen sich diese Abstände schwer einhalten.
Die Beiträge machten noch einmal deutlich, dass nicht nur auf eine Maßnahme gesetzt werden sollte, um für einen ausreichenden Schutz der Kulturpflanzen zu sorgen.
Leguminosen – herausfordernde Kulturen im Aufwind?
In seinem Schlusswort unterstrich Hilmar Freiherr von Münchhausen, Leiter des Ackerbauzentrums Niedersachsen, dass es noch ein hohes Anbaupotential für Ackerbohne & Co in Niedersachsen gibt. Es seien für den ökologischen Landbau wie auch für konventionell wirtschaftende Betriebe gleichermaßen interessante Kulturen. Diese vor Schädlingen, Pilzen und Beikräutern zu schützen, sei durch eine Kombination von vorbeugenden ackerbaulichen Maßnahmen, mechanischen und chemischen Verfahren machbar. Die Tagung zeigte auch die Fülle an entstehenden Ergebnissen und Erkenntnissen aus der Forschung und dem Versuchswesen. Durch praxisorientierte Aufbereitung des vorhandenen Wissens, müsse stärker als bisher der Transfer in die landwirtschaftliche Praxis stattfinden. Dies sei eine der zentralen Aufgaben für das LeguNet, die niedersächsische Eiweißstrategie und das Ackerbauzentrum Niedersachsen gleichermaßen.
Freigegebene Präsentationen der Referenten
- Anbau und Bedeutung von Leguminosen in Niedersachsen – Torben Windheim, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
- Herausforderungen im Pflanzenschutz aus Unternehmenssicht – Martin Heger, BASF
- Auftreten und Bekämpfung von Blattkrankheiten in Ackerbohnen – Heinrich Steinhoff, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
- Virosen und Vektorenbekämpfung in Leguminosen – Dr. Heiko Ziebell, Institut für Epidemiologie und Pathogendiagnostik, Julius Kühn-Institut (JKI)
Weiterführende Informationen: Landessortenversuche zu Körnerleguminosen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen