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Hofübergabe 2.0

Am 31.03.2025 fand in Hildesheim die bis auf den letzten Platz ausgebuchte Veranstaltung „Hofübergabe 2.0“ statt.  Nach der Begrüßung durch Volker Böckmann, Vorstandsmitglied der gastgebenden Volksbank eG Hildesheim-Lehrte-Pattensen,  eröffnete Maja Mogwitz die Veranstaltung mit einem inspirierenden Impulsvortrag. Sie ist bekannt als landwirtschaftliche Influencerin und Podcasterin und wird als dritte Frau in ihrer Familie den Familienbetrieb übernehmen.

Statistische Einblicke in die Struktur deutscher Landwirtschaftsbetriebe
In ihrem Vortrag wies Maja auf einige statistische Werte hin. Deutschland zählt etwa 255.000 landwirtschaftliche Betriebe, von denen 70% familienintern weitergegeben werden. Der Rest wird häufig verkauft oder verpachtet. Der Hoferbe ist in Deutschland zum Zeitpunkt der Hofübergabe im Durchschnitt etwa 30 bis 35 Jahre alt. Bislang werden nur 11% der landwirtschaftlichen Betriebe von Frauen geführt.

Podiumsdiskussion: Herausforderungen und Lösungsansätze bei der Hofübergabe
Die nachfolgende Podiumsdiskussion wurde von Maja moderiert und beinhaltete bewegende Beiträge von Luis Lütgering und Nils Bödecker, die ihre persönlichen Erfahrungen mit Hofübergaben teilten. Steuerberater Jan Eike Busse ergänzte die Runde und betonte: „Es gibt keinen festen Zeitpunkt, um die Hofübergabe zu planen bzw. sich beraten zu lassen. Die Praxis zeigt aber, je eher man damit beginnt, je einfacher wird es. Es handelt sich um eine stark familiäre Angelegenheit.“ Auch Volker Böckmann, der selbst von einem landwirtschaftlichen Betrieb stammt, teilte diese Beobachtung aus seinem Berufsalltag.

Luis Lütgering berichtete als stellvertretender Vorsitzender des Landvolks Braunschweiger Land, dass aus Gesprächen mit Notaren hervorgeht, dass nur 20% der Hofübergaben problemlos verlaufen. Ein erheblicher Teil führt zu familiären Spannungen oder rechtlichen Auseinandersetzungen. Er wies darauf hin, dass die LWK Niedersachsen eine sozioökonomische Beratung anbietet, die als Mediator genutzt werden kann. Dafür gibt es ein Förderprogramm.

Die Diskussion wurde durch Fragen aus dem Publikum bereichert, unter anderem zur Möglichkeit einer gemeinsamen Übernahme eines Betriebes. Hierbei spielen Größe und Diversität des Betriebs sowie die familiären Gegebenheiten eine entscheidende Rolle. Auch steuerliche Aspekte sollten berücksichtigt werden, so die Antwort der Experten.

Ein Balanceakt zwischen familiären Werten, Verantwortung und Kompromissbereitschaft
Abschließend wurde deutlich, dass das Thema Hofübergabe sehr emotional ist. So gibt es in der Regel weichende Erben, die einen gerechten Ausgleich suchen und die Übernahme eines Hofes bringt auch viele Verpflichtungen und viel Verantwortung mit sich. Maja Mogwitz betonte, dass aus ihrer persönlichen Sicht die Familie immer vor dem Hof stehen sollte, während Luis Lütgering darauf hinwies, dass alle Beteiligten bereit sein sollten, Kompromisse einzugehen.