Mechanische Unkrautregulierung ist in vielen Kulturen arbeitsintensiv und muss oft in engen Zeitfenstern organisiert werden. Mit dem Farming GT entwickelt und vertreibt Farming Revolution einen autonomen Hackroboter, der Pflanzenreihen und Kulturpflanzen erkennt und Beikräuter möglichst nah an der Kultur mechanisch regulieren soll. Im Gespräch mit Eicke Warnecke, der den Farming GT bei Farming Revolution im Außendienst und in der praktischen Anwendung begleitet, ging es darum, wie der Roboter arbeitet, für welche Betriebe und Kulturen er derzeit besonders interessant ist und worauf es im Praxiseinsatz ankommt.
Farming Revolution und der Farming GT
Das Unternehmen Farming Revolution ist 2019 von einem Team mit Kompetenzen aus Robotik, Software, Maschinenbau und Landwirtschaft entwickelt worden. Laut Eicke Warnecke war ein zentrales Motiv der steigende Aufwand bei der Unkrautbekämpfung mit nur wenig oder gar keinem Herbizideinsatz. Parallel wurde KI-gestützte Bildauswertung immer leistungsfähiger. Ziel war es daher, eine Technik zu entwickeln, die Landwirten Arbeit abnimmt und zugleich praxistauglich im Betriebsalltag funktioniert. Dass der Farming GT diesen Schritt aus der Entwicklung in die Praxis inzwischen geschafft hat, zeigt auch der aktuelle Einsatz: Nach Unternehmensangaben laufen derzeit mehr als 40 Maschinen in Europa, davon fünf in Niedersachsen.
Der 1,5 bis 2 Tonnen schwere Farming GT ist ein autonomer Hackroboter für Reihenkulturen. Mithilfe KI-gestützter Bilderkennung erkennt er Pflanzenreihen und Kulturpflanzen selbstständig und steuert seine Werkzeuge so, dass möglichst nah an der Kultur gearbeitet werden kann. Für die Arbeit in der Reihe setzt Farming Revolution auf verschiedene Schare, die sich sowohl in der Länge als auch im Aufstellwinkel unterscheiden. Dadurch lässt sich die Erdbewegung je nach Kultur und Entwicklungsstadium gezielt anpassen: von stärker bewegenden Varianten zur intensiveren Unkrautregulierung bis hin zu sehr schonend arbeitenden Ausführungen für sehr kleine Pflanzen. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel von Erkennung, Fahrgeschwindigkeit, Werkzeugführung und Entwicklungsstadium der Kulturpflanze. Gerade bei kleinen Kulturen steigt die Gefahr der Verschüttung, während bei größeren Pflanzen zügiger gearbeitet werden kann, teilweise auch mit leichter Anhäufelung. Die genaue Einstellung bleibt standort- und kulturabhängig.
Der Farming GT beim Hacken in und zwischen den Reihen: Die Kulturpflanzen werden erkannt und mit Sicherheitsabstand umfahren. Zwischen den Reihen arbeiten starre Schare, in der Reihe bewegliche Werkzeuge. Beikräuter werden mechanisch im Arbeitsbereich reguliert. © NAN/Lucas Nicolai
Der Farming GT ist im Einsatz nicht als rein batterieelektrisches System zu verstehen. Die Roboterbatterie wird über einen dieselbetriebenen Range Extender (Reichweitenverlängerer) geladen. Mit einem Tankvolumen von 30 Litern und einem durchschnittlichen Verbrauch von etwa 15 bis 20 Litern pro 24 Stunden muss bei durchgehendem Einsatz in der Regel einmal täglich Diesel nachgefüllt werden. Über die App lassen sich Betriebsstatus, Tankanzeige, Fehlermeldungen und Benachrichtigungen abrufen. Die Verbindung erfolgt über das Mobilfunknetz. Zusätzlich ist eine Multi-SIM verbaut, auf die bei Verbindungsproblemen gewechselt werden kann. Für die Bedienung vor Ort erzeugt der Roboter zudem ein eigenes WLAN über das das manuelle Fahren ermöglicht wird. Sicherheitsfunktionen wie Regensensor und Kollisionserkennung ergänzen den autonomen Betrieb. Wird ein Not-Aus oder Sicherheitsbumper ausgelöst, muss dieser zunächst physisch vor Ort zurückgesetzt werden. Die anschließende Freigabe des Roboters kann dann auch aus der Ferne erfolgen.
Kulturen, Leistung und Einsatzgrenzen
Nach Angaben von Eicke Warnecke wurde der Farming GT bereits in über 100 Kulturen eingesetzt. Der überwiegende Teil dieser Vielfalt stammt aus dem Gemüse- und Kräuteranbau. Für den klassischen Ackerbau nennt er unter anderem Zuckerrüben, Mais, Ackerbohnen, Soja und Raps. Besonders viele Erfahrungen liegen derzeit im Bereich des Zuckerrübenanbaus vor. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Kultur, sondern auch die Flächenstruktur: Sehr kleine und stark zerstückelte Schläge sind ungünstiger, weil häufiges Umsetzen Zeit kostet. Ab etwa einem Hektar Schlaggröße kann der Einsatz interessant werden.
Die häufig genannte Leistung von bis zu 10 Hektar in 24 Stunden beschreibt laut Gespräch einen Optimalwert. Dafür braucht es lange Schläge, wenig Vorgewende und Kulturen, in denen mit höherer Geschwindigkeit gearbeitet werden kann. Unter realistischen Bedingungen nennt Eicke Warnecke 6 bis 7 Hektar in 24 Stunden. Muss der Roboter mehrfach am Tag umgesetzt werden, können auch 3 bis 5 Hektar noch ein plausibler Praxiswert sein. Den Arbeitserfolg misst Farming Revolution derzeit nicht über ein standardisiertes System direkt im Bestand, sondern vor allem über Flächenleistung und indirekte Effekte wie Herbizidreduktion. Als grober Praxiswert wurden im Gespräch 80 bis 85 Prozent Hackerfolg genannt – abhängig von Sicherheitsabstand, Kultur und Einsatzbedingungen.
Konkrete Herausforderungen im Einsatz
Betrieb, Service und Kosten
Farming Revolution bietet neben dem Service vor Ort ein verpflichtendes Software- und Connectivity-Paket an. Darüber können sich Mitarbeitende per Fernzugriff auf die Maschine aufschalten, Fehler analysieren, Software anpassen oder neue Kulturen in der Erkennung unterstützen. Ziel ist es, die Einsatzzeit des Roboters möglichst hoch zu halten. Rückmeldungen aus der Praxis fließen fortlaufend in die Weiterentwicklung ein.
Im Kern basiert der Farming GT auf einem Basismodell, das sich vor allem über ein oder zwei Kameramodule, die Anzahl der Aggregate sowie eine mögliche Verbreiterung auf 3 Meter konfigurieren lässt. Der Standard-Rahmen misst 2,55 Meter und ist damit problemlos straßentauglich transportierbar. In der Praxis kommen meist zwei Kameras und sechs Hackaggregate zum Einsatz. Für eine beispielhafte Maschine mit dieser Ausstattung wurde ein Preis von etwa 175.000 bis 180.000 Euro genannt. Das verpflichtende Connectivity-Paket liegt bei rund 3.000 bis 3.500 Euro pro Jahr, hinzu kommt optional eine Ersatzteilversicherung von 4.500 bis 5.000 Euro pro Jahr.
Der Vertrieb richtet sich vor allem an Betriebe, die die Maschine selbst nutzen. Interessenten lernen den Farming GT meist zunächst im Praxiseinsatz kennen. Da die Maschine nicht in großer Stückzahl auf Vorrat produziert wird, sollte bis zur gewünschten Saison etwa ein halbes bis dreiviertel Jahr Vorlauf eingeplant werden.
Fazit
Der Farming GT zeigt, welches Potenzial autonome mechanische Unkrautregulierung im Ackerbau inzwischen erreicht hat. Besonders deutlich werden dabei zwei Vorteile: Zum einen die spürbare Entlastung bei arbeitsintensiven Hackarbeiten, zum anderen die präzise Regulierung nah an der Kulturpflanze. Zugleich macht der Blick in das System deutlich, dass der erfolgreiche Einsatz weiterhin von Flächenstruktur, Kulturstadium, Befahrbarkeit und einer guten betrieblichen Einbindung abhängt. Der Farming GT ist damit kein Allheilmittel, aber ein technisch weit entwickeltes Werkzeug, das unter passenden Bedingungen einen echten Mehrwert für Betriebe bieten kann.
Interesse geweckt?
Wer sich den Farming GT im Einsatz ansehen möchte, findet weitere Informationen zu Vorführungen und den Kontakt zu Eicke Warnecke hier. Ein ergänzender Beitrag aus Sicht eines anwendenden Betriebs ist voraussichtlich nach der Saison geplant.
Der FarmingGT auf einen Blick

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