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Laufkäfer – die übersehene Schädlingspolizei

Zum Osterfest stellt das Netzwerk Ackerbau Niedersachsen e.V./Ackerbauzentrum Niedersachsen jeweils einen Bewohner der Feldflur vor, und zwar nicht nur den Feldhasen. Diese jährliche Reihe trägt dazu bei, auf die Vielfalt der Arten in unseren Agrarlandschaften aufmerksam zu machen. In diesem Jahr fiel unsere Wahl auf die Insektenfamilie der Laufkäfer (Coleoptera).

Vorkommen und Bedeutung

Laufkäfer kommen mit Ausnahme der Antarktis weltweit mit über 40.000 Arten vor. In Deutschland sind davon 557 Arten zu finden. In Agrarlandschaften zählen sie zu den am häufigsten vorkommenden Tieren auf der Bodenoberfläche und sind ein Indikator für die Intensität der Landnutzung – je ungestörter die Flächen sind, desto mehr Individuen sind unterwegs. Die meisten Arten bleiben durch ihre Nachtaktivität für den Menschen weitgehend unsichtbar. Häufig besiedeln 15–20 Arten eine heimische Ackerfläche. Etwa 35 % der in Agrarlandschaften vorkommenden Laufkäferarten in Deutschland stehen derzeit auf der Roten Liste. 

Eine wichtige Rolle unter diesen gefährdeten Arten spielt der Goldlaufkäfer (Carabus auratus), der als Leitart für die Biodiversität in Agrarlandschaften gilt. Er tritt besonders auf landwirtschaftlichen Flächen, in Grünland sowie in Weinbergen auf, ist ca. 17 bis 30 mm lang und an seinem grüngoldenen Halsschild und Deckflügeln gut zu erkennen.

Goldlaufkäfer
Bildquelle: pixabay miss_orphelia_beetle

Erkennung und Ökosystemleistung

Wie die Bezeichnung „Laufkäfer“ vermuten lässt, handelt es sich um gute Läufer, die sich schnell auf der Bodenoberfläche fortbewegen. Viele Arten können zusätzlich fliegen; bei einigen haben sich die Hinterflügel jedoch vollständig zurückentwickelt. Im Gegensatz zu vielen anderen Käfern ist ihr Kopf nach vorne und nicht nach unten gerichtet. Die Fühlerglieder sind perlschnurartig gereiht und nicht am Ende verdickt.
Laufkäfer besitzen außerdem kräftige Kiefer, mit denen sie unter anderem zur Schädlingsbekämpfung auf Ackerflächen beitragen. Auf dem Speiseplan stehen Blattläuse sowie Eier und Puppen anderer Insekten, aber auch Schnecken und Springschwänze. Außerdem ernähren sie sich von ausfallenden Unkrautsamen. Durch dieses breite Nahrungsspektrum können sie ihre Population auch in Zeiten geringer Schädlingsdichte aufrechterhalten, um bei einem Wiederauftreten schnell regulierend einzugreifen.

Förderung von Laufkäfern in Agrarlandschaften

Das Vorkommen von Laufkäfern wird durch eine vielfältige Fruchtfolge, Brachestadien sowie den Erhalt von Grünland und Biotopen gefördert. Je extensiver die Bewirtschaftung erfolgt, desto wohler fühlen sich die Tiere. Der Einsatz von Insektiziden und eine intensive Bodenbearbeitung, wie sie z. B. durch Pflügen geschieht, schädigen die Larven der Laufkäfer. Ebenso werden Flächen durch starke Bodenverdichtung und enge Fruchtfolgen sowie fehlende Strukturvielfalt in den angrenzenden Feldsäumen für den Laufkäfer unattraktiv.

 

Landwirte können zusätzlich gezielt mit sogenannten „Beetle Banks“ (Insektenwällen) Rückzugsorte für die nützlichen Käfer schaffen. Diese werden über mehrere Jahre in Form eines Erdwalls am Feldrand angelegt. Hierfür kann beispielsweise ein Kartoffeldamm-Former genutzt werden.

An die Wälle grenzen jeweils etwa 30–40 cm breite Blühstreifen an, sodass sich eine Gesamtbreite von 1,5 bis 2 m ergibt. Im ersten Jahr sollte zur Unterdrückung von Unkraut eine zweimalige Mahd erfolgen. Im Laufe der Zeit etabliert sich auf dem Wall eine Altgrasnarbe. Neben der Deckung für Laufkäfer bietet ein Insektenwall auch eine Überwinterungsmöglichkeit für Wildbienen, im Frühjahr eine Möglichkeit für Bodenbrüter zur ungestörten Aufzucht ihrer Jungen. Im Sommer bietet der Blühstreifen ein reichhaltiges Nahrungsangebot für Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge.

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