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Körnermais im Fokus: Rund 500 Gäste beim Feldtag auf dem Klostergut Reinshof

Rückblick auf die gemeinsame Veranstaltung des Deutschen Maiskomitee e.V., der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Georg-August-Universität Göttingen sowie dem Ackerbauzentrum Niedersachsen.
Theorie und Praxis eng verbunden: Auf gut besuchte Fachvorträge folgten Maschinenvorführungen und Demonstrationen im Feld. ©LWK/Dr. Jürgen Kauke

Welche Rolle kann Körnermais künftig im Ackerbau Niedersachsens spielen – und unter welchen betrieblichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen lohnt sich die Erweiterung der Fruchtfolge um diese Kultur? Diesen Fragen widmete sich der Körnermaistag am 11. September 2026 auf dem Klostergut Reinshof, dem Versuchsgut der Georg-August-Universität Göttingen. Rund 500 Besucherinnen und Besucher aus Landwirtschaft, Beratung, Wissenschaft und Agrarwirtschaft nutzten die Gelegenheit, sich über Anbau, Ernte, Trocknung und Vermarktung von Körnermais zu informieren. Veranstaltet wurde der Feldtag gemeinsam vom Deutschen Maiskomitee e.V. (DMK), der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Georg-August-Universität Göttingen sowie dem Ackerbauzentrum Niedersachsen, getragen vom Verein Netzwerk Ackerbau Niedersachsen (NAN) e.V., sowie Vereinigte Hagel als Premiumpartner. Die Verbindung aus Feldversuchen, Technikvorführungen, Fachvorträgen und zahlreichen Ausstellern bot einen umfassenden Blick auf die gesamte Verfahrenskette des Körnermaisanbaus.

Ankommen auf dem Klostergut Reinshof bei Göttingen ©LWK/Dr. Jürgen Kauke

In der Begrüßung betonte der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Gerhard Schwetje, die Bedeutung des Körnermaises für die heimischen Ackerbaubetriebe: Aufgrund seines hohen Energiegehalts sei er ein wichtiges Futtermittel für Rinder, Schweine und Geflügel. Zugleich stehe er in Konkurrenz zu Futterweizen und Futtergerste. Gerade bei knapper Getreideversorgung könne Körnermais als alternative Energiequelle an Bedeutung gewinnen. Professor Dr. Enno Bahrs, Vorsitzender des Deutschen Maiskomitees, dankte den Ausstellern, insbesondere der Vereinigten Hagelversicherung als Premiumpartner und dem Leiter des Versuchsgutes der Universität Göttingen, Dirk Augustin, für die verschiedenen Anbauversuche mit unterschiedlichen Sorten und Saatzeitpunkten. Auch ein Vergleich der konventionellen und ökologischen Anbauweise wurde angelegt.

Markus Gerhardy, Mitglied im Vorstand des Netzwerkes Ackerbau Niedersachsen (NAN) e.V., stellte schließlich das vom NAN organisierte Ackerbauzentrum Niedersachsen als Bindeglied zwischen Agrarpraxis, Wissenschaft, Industrie und Politik vor. Er hob hervor, dass über das Ackerbauzentrum die Erkenntnisse dieses Feldtages in ganz Niedersachsen verbreitet werden, um landwirtschaftliche Betriebe bei ihrer Entscheidungsfindung zum weiteren Umgang mit dem Thema Körnermais zu unterstützen.

Körnermais aus Sicht der landwirtschaftlichen Praxis

Im Seminargebäude des Reinshofes fanden mehrere Vorträge zum Körnermaisanbau statt. Der Auftakt war ein Erfahrungsbericht von Landwirt Christian Schwetje aus Cramme bei Wolfenbüttel. Sein Fazit für den eigenen Betrieb: Körnermais passt in die betrieblichen Abläufe und kann die Fruchtfolge wirkungsvoll auflockern. Dadurch ergeben sich unter anderem Vorteile beim Umgang mit Ackerfuchsschwanz und beim Humusaufbau. Gleichzeitig muss die Kultur in die vorhandenen Ernte-, Trocknungs- und Vermarktungsstrukturen passen. Auf seinem Betrieb wird die Ernte deshalb in Etappen organisiert und an die verfügbare Trocknungskapazität angepasst. Auch bei der Verwertung ist Flexibilität gefragt: Neben dem Verkauf wird weiterhin geprüft, ob Körnermais künftig stärker in der Fütterung eingesetzt werden kann.

Trocknung und Wirtschaftlichkeit frühzeitig kalkulieren

Hannes-Friedrich Böse von der Farm am Eulenbruch und Lennart Neupert von der Landhandel Neupert GmbH beleuchteten die Trocknung als wichtigen Kostenfaktor. Da Körnermais in der Regel mit einer höheren Feuchtigkeit als Getreide geerntet wird, entscheiden Trocknungskapazitäten, Energieaufwand und Logistik wesentlich über die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens.
Deutlich wurde: Die Trocknung muss keine unkalkulierbare Kostenfalle sein, sollte aber bereits vor dem Einstieg in den Anbau realistisch geplant werden. Neben dem erwarteten Ertrag gehören deshalb auch Erntefeuchte, Transportwege, verfügbare Lager- und Trocknungskapazitäten sowie die spätere Vermarktung in die betriebliche Kalkulation. 
Auch die Fruchtfolgewirkungen dürfen bei der wirtschaftlichen Betrachtung nicht fehlen. Einsparpotenziale bei Düngung und Pflanzenschutz können sich insbesondere in der Folgekultur ergeben und nach den vorgestellten Berechnungen bis zu 200 Euro je Hektar erreichen. Dem stehen unter anderem höhere Saatgutkosten und zusätzliche Lohnarbeitskosten gegenüber.

Markt und Fruchtfolge im Blick

Dr. Steinmann stellt ein System zur Bewertung der strukturellen und funktionellen Merkmale einer Fruchtfolge vor © NAN/Lucas Nicolai

Stephanie Stöver-Cordes von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ordnete die aktuelle Marktsituation ein. Für die Entwicklung der Maispreise ist nicht ein einzelner Faktor ausschlaggebend. Vielmehr wirken eine kleinere Ernte in der Europäischen Union, die wachsende Nachfrage nach Ethanol, die Entwicklung der brasilianischen Maisproduktion, die erschwerten Exporte der Ukraine sowie Wetterrisiken in Nord- und Südamerika zusammen.
Damit bleibt die Preisentwicklung schwer vorhersehbar. Für landwirtschaftliche Betriebe gewinnt eine belastbare Kalkulation mit unterschiedlichen Preis- und Kostenszenarien entsprechend an Bedeutung.

Dr. Horst-Henning Steinmann vom Zentrum für Biodiversität und nachhaltige Landnutzung der Georg-August-Universität Göttingen nahm die Stellung des Körnermaises in deutschen Fruchtfolgen in den Blick. Als spät gesäte Sommerung kann die Kultur getreidebetonte Fruchtfolgen erweitern und Arbeitsspitzen entzerren.

Entscheidend ist jedoch nicht allein die zusätzliche Kultur, sondern ihre Einbindung in das gesamte Anbausystem. Die Wahl und Führung der Folgekultur hat einen erheblichen Einfluss darauf, ob pflanzenbauliche und wirtschaftliche Vorteile tatsächlich genutzt werden können.

Technik und Versuche direkt auf der Fläche

Auf den Versuchsflächen konnten die Gäste neben Versuchen zu unterschiedlichen Saatzeitpunkten, Sorten und Düngungsintensitäten auch Vergleiche zwischen konventionellen und ökologischen Anbauverfahren besichtigen. Ergänzt wurde das Programm durch Maschinenvorführungen entlang der Verfahrenskette.

Bei der Nachstoppelbearbeitung kamen unter anderem Scheibeneggen, Mulcher und Grubberkombinationen zum Einsatz. Für die Ernte wurde ein Maispflückvorsatz von Geringhoff im praktischen Einsatz gezeigt. Einen weiteren Ansatz bildete die Bergung der nach der Körnermaisernte auf dem Feld verbleibenden Pflanzenreste mit Schwader und Ladewagen. Das gewonnene Körnermaisstroh kann beispielsweise als Substrat in Biogasanlagen verwertet werden. Da es im EEG nicht zu den als Mais definierten Einsatzstoffen zählt, wird reines Körnermaisstroh bei den vom sogenannten Maisdeckel erfassten Anlagen grundsätzlich nicht auf dessen zulässigen Maisanteil angerechnet.

Vorstellung eines Versuches mit verschiedenen Aussatstärken © NAN/HvMünchhausen
Claas Lexion mit 8 reihigen Rovio Maispflückvorsatz zum Ernten von Körnermais © NAN/HvMünchhausen

Mit dem MaisStar Collect von Geringhoff können in einem Arbeitsgang der Körnermais gepflückt und das Stroh im Schwad in der Reihe ablegen werden. © NAN/Lucas Nicolai

Der Bandschwader TR920 von ROC legt das gehäckselte Maisstroh im Schwad zusammen. Anschließend kann das Material mit einem Ladewagen aufgenommen und zur weiteren Verwertung vom Feld abtransportiert werden. © NAN/Lucas Nicolai

Zahlreiche Aussteller aus Saatgutwirtschaft, Landtechnik, Beratung, Handel und Versicherungswesen ergänzten das fachliche Angebot. Mit der Vereinigte Hagelversicherung VVaG, Agravis, KWS, der VGH-Versicherung, dem Büro Geries Ingenieure und dem jungen Unternehmen AgDoIT waren auch Mitgliedersunternehmen des NAN vertreten.  

Austausch entlang der gesamten Verfahrenskette

Der Körnermaistag zeigte, dass die Kultur für viele Ackerbaubetriebe eine interessante Erweiterung der Fruchtfolge sein kann. Ob der Anbau wirtschaftlich und organisatorisch zum Betrieb passt, hängt jedoch vom Zusammenspiel zahlreicher Faktoren ab: Standort, Fruchtfolge, Erntelogistik, Trocknung, Lagerung und Vermarktung müssen gemeinsam betrachtet werden.

Gerade die Mischung aus Praxisberichten, wissenschaftlicher Einordnung, Versuchen und Technikdemonstrationen machte es möglich, Chancen und Hemmnisse offen zu diskutieren. Für das NAN war der Feldtag zugleich eine gute Gelegenheit, Landwirte und weitere Akteure des Ackerbaus zusammenzubringen und den Wissenstransfer entlang der gesamten Verfahrenskette zu unterstützen.

Freigegebene Präsentationen der Referenten:​

Weitere Impressionen

Veranstalter

Premiumpartner